Übernachtung im Ryokan - wie geht das in Japan?

Das Arai-Ryokan in Shuzenji. Unser großer Raum mit Wintergarten und Flussblick zeigt wir sind in einem Luxus-Ryokan.

Das Arai-Ryokan in Shuzenji. Unser großer Raum mit Wintergarten und Flussblick zeigt wir sind in einem Luxus-Ryokan.

Wie wir bereits in unserem Blogartikel über günstigen Urlaub in Japan gezeigt haben, gibt es in Japan eine relativ günstige und gleichzeitig spannende Übernachtungsmöglichkeit: traditionelle Gasthäuser genannt Ryokan (旅館). Die Übernachtung in solch einer Unterkunft ist eine gute Möglichkeit japanisches Essen, Traditionen und Menschen kennenzulernen. Die Auswahl reicht dabei von kleinen inhabergeführten Ryokan, vergleichbar mit deutschen Pensionen, bis hin zu Luxus-Domizilen mit großem SPA-Bereich und exklusivem Service. Es gibt jedoch ein paar Dinge zu beachten, die anders als in internationalen Hotels sind. Von Toiletten-Schuhen bis Tatami – wir klären euch in diesem Artikel über die wichtigsten Dinge auf.

Ein Ryokan buchen

Ankunft und die Schuhe

Zimmer, Bett und Kleidung

Der Toilettengang

Das Essen

Onsen und Sento

Das richtige Verhalten

Fazit

Vor der Reise – ein Ryokan buchen

Ihr habt also dieses traumhafte Ryokan inklusive Frühstück und mit integriertem Onsen (heißes Bad) gefunden, aber seid nicht sicher ob ihr es wirklich wagen sollt? Die Sprachbarriere könnte ein Problem werden und die ganzen Regeln verunsichern euch? Bevor ihr jetzt doch lieber das westliche Hotel mit Englisch-sprechender Belegschaft bucht, lest kurz weiter. Denn mit den Informationen aus diesem Artikel und ein bisschen Mut werdet ihr ganz sicher eine einzigartige Erfahrung in der traditionellsten Art des Übernachtens in Japan machen. Außerdem: auch wenn ihr Fehler macht oder die Sprache nicht versteht, gibt es keine wirklichen Probleme. Japaner erkennen in der Regel, dass ihr Ausländer seid und sehen über die Fehler, die ihr garantiert machen werdet, einfach hinweg. Und was die Verständigung betrifft: die funktioniert zur Not auch mit Zeigen und gebrochenem Englisch.

Ankunft im Ryokan

Wenn auch der Name meiner Freundin von Drüke in Drake umbenannt wurde - so eine Tafel bei der Ankunft zu sehen, ist schon cool.

Wenn auch der Name meiner Freundin von Drüke in Drake umbenannt wurde - so eine Tafel bei der Ankunft zu sehen, ist schon cool.

Grundsätzlich sollte man sich an die angegebene Check-In-Zeit halten. Japaner sind ungern spontan und taucht ihr einfach ein paar Stunden zu früh oder zu spät auf sorgt das in der Regel für Verwirrung. Bevor ihr das Ryokan betretet, heißt es zuerst Schuhe ausziehen und in Schlappen wechseln. In der Regel gibt es ein Regal für eure Schuhe und Sandalen stehen bereit – wenn ihr Glück habt, sogar groß genug für europäische Füße. Je nachdem wie gehoben das Ryokan ist, werdet ihr von dem Inhaber selbst oder einem Mitarbeiter an der Rezeption begrüßt. Besonders luxuriöse Ryokan haben am Eingang eine Tafel, wo die Namen der an dem Tag anreisenden Gäste angeschrieben werden. Steht ihr vor solch einer Tafel könnt ihr sicher sein, dass die gesamte Belegschaft euch im Kollektiv am Eingang begrüßen wird. Etwas unangenehm? Ja. Aber auch unvergesslich, wie euch 20 lächelnde Japaner mit Höflichkeitsfloskeln überschütten, während ihr mit eurem Backpack und überraschtem Gesichsausdruck vor Ihnen steht.

Das traditionelle Zimmer im Ryokan

Ein Tokonoma (床の間) ist ein Designelement des Raumes und nicht zum Abstellen von Gepäck gedacht.

Ein Tokonoma (床の間) ist ein Designelement des Raumes und nicht zum Abstellen von Gepäck gedacht.

Hier ist das Abstellen von Gepäck schon eher ok.

Hier ist das Abstellen von Gepäck schon eher ok.

Bevor ihr das Zimmer betretet heißt es wieder Schuhe bzw. Slipper ausziehen. Die Räume sind mit Reismatten, Tatami (畳), ausgelegt und dürfen nur barfuß bzw. mit Strümpfen betreten werden. Die Reismatten sind relativ empfindlich und außerdem schläft man auch auf ihnen. Was auch gleich auffällt: es gibt kein Bett. Aber keine Sorge. Öffnet man die Schränke werden einem die Betten auffallen, die fein säuberlich verstaut sind. Diese müsst ihr nicht selbst aufbauen. Je nach Kategorie habt ihr entweder einen Mitarbeiter oder sogar einen persönlichen Assistenten, der nicht nur das Futon für euch aufbaut, sondern auch das Essen im Zimmer serviert. Auch wenn es euch höflich erscheint: versucht bitte nicht beim Aufbau von Essen oder Bett zu helfen. Japaner nehmen grundsätzlich ihre Aufgabe sehr ernst und möchten diese zu eurer vollkommenen Zufriedenheit erledigen. Ein Eingreifen oder Helfen würde vermitteln, dass ihr die Aufgaben dem Mitarbeiter nicht zutraut.

Die fein gefaltete Kleidung, die bereit liegt, ist ein Yukata (浴衣). Diese Art Bademantel kann man innerhalb des Ryokan tragen. Es ist nicht als Straßenkleidung gedacht es sei denn man befindet sich in einer Gegend mit vielen Onsen. Dann kann man beim Weg zwischen den verschiedenen Badehäusern den Yukata anziehen. Beim Anziehen ist zu beachten, dass die rechte Seite unter die linke Seite des Yukata kommt. Wer es einmal falsch gemacht hat und die belustigten Blicke im gesamten Ryokan auf sich zieht, lernt es fürs Leben ;)

Die plüschigen Handwärmer sind das i-Tüpfelchen.

Die plüschigen Handwärmer sind das i-Tüpfelchen.

Eine weitere Ausstattung, die man oft in Ryokan findet, ist der Kotatstu (炬燵). Es ist ein Tisch mit integrierter Heizung, an dessen Kanten eine Decke befestigt ist. Die meisten Unterkünfte haben keine zentrale Heizung und so ist der Kotatsu, neben einer kleinen Klimaanlage, im Winter meist die einzige Wärmequelle. Seine Beine unter den Tisch zu strecken und den Schalter an der Kordel umzulegen, hat defintiv etwas Gemütliches.

Der Gang zur Toilette

Ein eigener Absatz nur für den Toilettengang? Vertraut mir - hier passieren die meisten Missgeschicke. Verlässt man das Zimmer zieht man die Sandalen, die idealerweise vor dem Raum gelassen wurden, an. Erreicht man die Toilette zieht man die Sandalen wieder aus und wechselt in die Toilettenschlappen. Nach dem Geschäft oder der Dusche wechselt man von den Toilettenschlappen wieder in die Sandalen. Das ist sehr wichtig. Mit den Toilettenschlappen zum Zimmer zu gehen und im schlimmsten Falle die Tatami-Matten damit zu betreten, wäre ein großer Fauxpas. Habt ihr den Luxus einer eigenen Toilette auf dem Zimmer gelten übrigens die gleichen Regeln. Auch hier sollte man die Badeschlappen nur in der Toilette tragen.

Die Verpflegung

Die Ryokan in den Tempeln von Koyasan servieren ausschließlich vegane Speisen.

Die Ryokan in den Tempeln von Koyasan servieren ausschließlich vegane Speisen.

Grüner Tee ist eigentlich immer auf dem Zimmer zu finden. Entweder bereits zubereitet in Tee- oder Thermoskanne oder samt Wasserkocher zum selbst aufbrühen. Oft ist es Hōjicha (ほうじ茶), gerösteter Grüntee, oder der klassiche Sencha (煎茶). Zusätzlich verpflegen die meisten Ryokan ihre Gäste mit Frühstück und auch Abendbrot. Je nach Ausstattung wird das Essen im Zimmer oder im Essensraum serviert. Das Essen besteht meist aus vielen kleinen Portionen verschiedenster Speisen. Reis ist immer dabei. Dazu gesellen sich eingelegtes Gemüse, Fisch, Fleisch, Misosuppe uvm. Oft wird nach Saison gekocht und kunstvoll angerichtet. Diese besonderen Mahlzeiten im bequemen Yukata einzunehmen und dabei auf den Tatami zu sitzen, ist eine tolle Erfahrung.

Das (gemeinschaftliche) Bad

Badehäusern haben eine lange Tradition in Japan.

Badehäusern haben eine lange Tradition in Japan.

Die meisten Ryokan verfügen mindestens über ein gemeinschaftliches Bad. Wird es mit einer natürlichen Quelle gespeist, nennt es sich Onsen (温泉) - ansonsten wird es als Sento (銭湯) bezeichnet. Die Bäder sind nach Geschlechtern getrennt. Hält man sich an wenige eigentlich logische Regeln gibt es hier nicht viel falsch zu machen. Bevor man das eigentliche Bad betrifft zieht man sich komplett aus. Bevor man in das heiße Wasser eintaucht muss man sich von Kopf bis Fuß waschen. Seife oder Kleidung gehört nicht in das Becken mit heißem Wasser. Das wars eigentlich schon. Wir werden in dem nächsten Artikel dieser Reihe über Onsen im Details berichten. Aber mit diesen Infos seid ihr vor den größten Fettnäpfchen bereits gewarnt.

Ein kleiner Tip zum Verhalten

Ryokan habe eine lange Tradition in Japan. VIele der Gebäude sind alt und die meisten trennen ihre Räume durch Papierwände voneinander ab. Es versteht sich von selbst, dass hier wie überall in Japan besondere Rücksichtnahme erwartet wird. Zur Nachtruhe laute Musik hören, hitzig diskutieren oder feiern solltet ihr lieber sein lassen. Solltet ihr sehr laut scharchen, bereitet euch mit entsprechenden medizinischen Hilfsmitteln auf die Übernachtung vor.

Fazit: Alles halb so wild

Wie ihr seht, gibt es sicherlich einige Dinge, die man bei einem Aufenthalt in einem traditionellen Ryokan beachten muss. Gegenseite Rücksichtsnahme und gesunder Menschenverstand bewahren euch aber bereits vor den größten Fehltritten. Und solltet ihr doch einmal etwas falsch machen, ist das halb so schlimm. Japaner haben viel Verständnis. Und selbst wenn es andere wirklich stört. Öffentlich zurechtweisen wird euch sowieso keiner. Dazu sind Japaner viel zu höflich.